Positive Leadership: Evidenzbasierte Führung, die Leistung und Wohlbefinden verbindet

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Kurz zusammengefasst: Warum Positive Leadership wirkt

Positive Leadership ist ein stärken- und ressourcenorientierter Führungsansatz, der auf Erkenntnissen der Positiven Psychologie basiert. Zahlreiche Studien und Praxisbeispiele zeigen messbare Effekte auf mehreren Ebenen:

  • Führungskräfte, die positiv führen, erleben sich selbst als resilienter, weniger gestresst und kreativer im Umgang mit komplexen Herausforderungen.
  • Mitarbeitende zeigen höheres Engagement, bessere psychische Gesundheit und ein deutlich geringeres Burn-out-Risiko – in Teams mit positiven Führungskräften ist die Burn-out-Gefährdung teilweise nur halb so hoch.
  • Organisationen profitieren von höherer Produktivität, geringerer Fluktuation, besserer Kundenorientierung und stabileren wirtschaftlichen Ergebnissen.
  • Positive Leadership ist keine Frage der Persönlichkeit, sondern basiert auf konkreten, erlern- und trainierbaren Führungskompetenzen.

Wie lässt sich Positive Leadership konkret in Organisationen verankern?

Dieser Beitrag gibt Ihnen einen kurzen Überblick über Wirkungen und Hintergründe.
Wenn Sie Positive Leadership in Ihrem Unternehmen gezielt einführen oder weiterentwickeln möchten, berate ich Sie gerne persönlich.

Was ist Positive Leadership?

Positive Leadership ist ein Führungsansatz, der darauf abzielt, die Potenziale von Mitarbeitenden gezielt zu entfalten und sogenanntes Flourishing zu ermöglichen – also nachhaltiges Aufblühen im Arbeitskontext. Der Begriff „Flourishing“ geht maßgeblich auf den Psychologen Martin Seligman zurück, der beschreibt, unter welchen Bedingungen Menschen aufblühen und somit langfristig leistungsfähig, gesund und engagiert sind.

Als Teilbereich der Positiven Psychologie beschäftigt sich Positive Leadership nicht primär mit der Vermeidung von Fehlern oder Defiziten, sondern mit der gezielten Stärkung dessen, was bereits gut funktioniert.

Während klassische Führung oft versucht, Leistung durch Korrektur von Schwächen zu verbessern (vereinfacht: von −10 auf 0), erweitert Positive Leadership den Fokus auf die Entwicklung von Stärken und Exzellenz (von 0 auf +10). Es handelt sich dabei nicht um ein „Wohlfühlkonzept“, sondern um eine wissenschaftlich fundierte Ergänzung bestehender Führungsansätze.

Warum Positive Leadership? Wirkungen auf drei Ebenen

Wirkung auf Organisationen

Positive Leadership steht in engem Zusammenhang mit betriebswirtschaftlich relevanten Kennzahlen. Untersuchungen zeigen, dass Organisationen mit einer positiven Führungskultur von höherer Produktivität, besserer Qualität, höherer Kundenzufriedenheit und geringerer Fluktuation profitieren.

Gerade Fluktuation ist für HR ein zentraler Kostenfaktor: Die Neubesetzung einer Stelle kann – abhängig von Rolle und Qualifikation – bis zu 150 % eines Jahresgehalts kosten. Positive Leadership wirkt hier präventiv, da Engagement, Bindung und Sinnempfinden steigen.

Langfristige Analysen zeigen zudem, dass Unternehmen mit besonders positiven Arbeitskulturen den Gesamtmarkt über Jahre hinweg messbar outperformen.

Wirkung auf Mitarbeitende

Auf Mitarbeiterebene ist die Evidenz besonders deutlich. Positive Leadership geht nachweislich einher mit:

  • höherem Arbeitsengagement,
  • besserer psychischer Gesundheit,
  • geringerer emotionaler Erschöpfung,
  • stärkerer Loyalität gegenüber dem Unternehmen.

Studien zeigen, dass das Burn-out-Risiko in Teams mit positiven Führungskräften deutlich niedriger ist als in vergleichbaren Teams ohne diesen Führungsstil. Mitarbeitende erleben mehr Sinn, mehr Wertschätzung und mehr Wirksamkeit in ihrer Arbeit.

Wirkung auf Führungskräfte

Auch Führungskräfte selbst profitieren messbar von Positive Leadership. Wer diesen Ansatz praktiziert, berichtet häufiger von:

  • höherer eigener Resilienz,
  • geringerem subjektiven Stressempfinden,
  • größerer Flexibilität und Kreativität bei Problemlösungen.

Positive Leadership stabilisiert damit nicht nur Teams, sondern auch die Führungskräfte in ihrer eigenen Rolle – ein wichtiger Aspekt moderner Führungskräfteentwicklung.

Warum Positive Leadership funktioniert: Zentrale Wirkmechanismen

Ein zentraler theoretischer Erklärungsansatz ist die Broaden-and-Build-Theorie der Psychologin Barbara Fredrickson. Sie beschreibt, dass positive Emotionen kurzfristig das Denk- und Handlungsrepertoire erweitern und langfristig psychische, soziale und kognitive Ressourcen aufbauen.

Positive Leadership nutzt genau diesen Mechanismus: Durch die bewusste Förderung positiver Emotionen entstehen bessere Entscheidungen, höhere Lernbereitschaft und tragfähigere Beziehungen – alles Faktoren, die Leistung nachhaltig steigern.

PERMA-Lead®: Ein strukturierter Rahmen für Positive Leadership

Ein in der Praxis besonders etabliertes Modell ist PERMA-Lead®, entwickelt von Markus Ebner. Das Modell überträgt die fünf Dimensionen von Martin Seligman systematisch auf Führung und Organisationskontexte:

  • Positive Emotions – Förderung von Zuversicht, Dankbarkeit und Freude
  • Engagement – Nutzung individueller Stärken
  • Relationships – Aufbau tragfähiger, vertrauensvoller Beziehungen
  • Meaning – Vermittlung von Sinn und Beitrag
  • Accomplishment – Sichtbarmachen von Fortschritten und Erfolgen

PERMA-Lead® bietet Führungskräften eine klare Orientierung und liefert die notwendige Übersetzung in konkretes Führungsverhalten im Alltag.

Positive Leadership ist lern- und trainierbar

Ein zentraler Punkt für HR und Führungskräfteentwicklung: Positive Leadership ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern basiert auf erlernbarem Verhalten.

Zentrale psychologische Ressourcen – oft als Psychologisches Kapital bezeichnet – wie Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Optimismus und Resilienz gelten als veränderbare Zustände. Sie lassen sich durch gezielte Trainings und Interventionen nachhaltig entwickeln.

Bewährt haben sich unter anderem:

  • kurze, praxisnahe Mikro-Interventionen,
  • Reflexionsformate zur bewussten Stärkenwahrnehmung,
  • Kommunikationstechniken wie aktiv-konstruktives Reagieren auf Erfolge.

Entscheidend ist nicht das Wissen über Positive Leadership, sondern dessen konsequente Anwendung im Führungsalltag.

Kritische Einordnung und Grenzen

Positive Leadership darf nicht mit „toxischem positiven Denken“ verwechselt werden. Negative Emotionen haben eine wichtige Signalfunktion und müssen – insbesondere in Krisen – Raum haben.

Auch ein einseitiger Stärkenfokus kann problematisch sein, wenn kritische Defizite ignoriert werden. Positive Leadership ist daher kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch: Stärken fördern und Probleme adressieren.

Der Ansatz wirkt nur dann nachhaltig, wenn er authentisch gelebt wird. Mitarbeitende spüren sehr schnell, ob positive Führung ernst gemeint ist oder lediglich als Methode eingesetzt wird.

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